Wärmecontracting

Altlasten raus!

In der Krise stecken Chancen. Dieser Satz – derzeit wahrlich überstrapaziert – trifft trotzdem auf viele Bereiche eines Unternehmens voll zu. Die tatsächliche Herausforderung liegt jedoch darin, eben diese Chancen zu erkennen. Welche Bereiche lohnt es sich näher zu betrachten, welche gilt es auf Rentabilität zu hinterfragen und für welche gibt man Ressourcen frei, um neue Konzepte zu entwickeln?

Energiekosten und insbesondere der Faktor Wärme sind es immer Wert, auf Plausibilität geprüft zu werden“, weiß Dr. Ralf Utermöhlen, Geschäftsführer der Urbana Agimus Contracting GmbH (www.urbana-agimus.de) zu berichten. „Mit relativ wenig Aufwand können hier Energieeinsparpotentiale überschlagen werden. Der Contractor hat das Wolfenbütteler Traditionsunternehmen Welger Maschinenfabrik GmbH in Sachen Wärmedienstleistung beraten und ein Wärmekonzept mit Hell- und Dunkelstrahlern aus dem Hause Schwank (www.schwank.de) erarbeitet.

Die Welger Maschinenfabrik GmbH (www.welger.com) ist Hersteller von Verdichtungstechnik für den landwirtschaftlichen und industriellen Sektor. Gegründet wurde sie 1899 in Wolfenbüttel. Begonnen hat man mit der Entwicklung und Produktion von Strohpressen für die Landwirtschaft. Mit der Zeit baute das Unternehmen die Produktpalette kontinuierlich aus und erschloss neue Betätigungsfelder in der Industrieanwendung. Viele Patente sichern Welger heute einen stabilen Absatz.

Alternative zum

veralteten Heizwerk

Für die Wärmebereitstellung auf dem ca. 80 000 m² großen Produktionsgelände in Wolfenbüttel war bis 2008 eine eigene Dampfkesselanlage verantwortlich. Der 14 MW-Koloss aus dem Jahre 1960 versorgte die Hallen, Bürogebäude und Lager. Da einige Gebäude noch aus den Gründungsjahren stammten und der Großteil der Hallen in den 50er und 60er Jahren errichtet worden war und von daher mit einer schlecht gedämmten Gebäudehülle aufwarteten, entwickelte sich die bis dato installierte dampfbetriebene Warmluftheizung zunehmend zum Kostentreiber. Die in Schächten verlaufenden, teilweise schlecht wärmegedämmten Dampfrohre hatten gigantische Wärmeverluste zur Folge. Um in kalten Wintermonaten Raumtemperaturen von 18 °C zu erreichen, mussten die Geräte fast durchweg laufen. Eine gleichbleibende Temperatur konnte nur durch ständiges Nachheizen erreicht werden. „Die gestiegenen Energiekosten ließen unsere laufenden Kosten exorbitant steigen. Uns war klar, dass das Heizwerk entweder ersetzt oder nach Alternativlösungen gesucht werden musste“, beschreibt Wolf-Christian Heyneberg, Leiter Facility Management bei Welger, die damalige Situation. „Die Idee, eine Contractinglösung mittels Infrarottechnik anzustreben, entstand nicht rein zufällig. Urbana Agimus erstellte in unserem Auftrag eine betriebswirtschaftliche Analyse und einen Lösungsansatz, wie eine energiesparende Heizung aussehen könnte. Hier kamen dann Hell- und Dunkelstrahler als wirtschaftlichste Lösung ins Gespräch.“


Das Risiko tragen andere

Das Contractingmodell sieht vor, dass die Welger Maschinenfabrik die Investition in die Heizung nicht selbst tätigt, sondern nur Wärme vom Contractor bezieht. Als Basis der monatlichen Abrechnung dienen alleine die eingesparten Energiekos­ten. Das heißt, der Contractor übernimmt mit dem Kauf der Anlage und seiner Wartung fast das komplette Risiko seiner Planung. Würde die vorgeschlagene Lösung mehr Energie verbrauchen als tatsächlich angenommen, würde der Contractor letztlich draufzahlen. Dr. Ralf Utermöhlen: „Wir sind uns des Risikos durchaus bewusst und setzen deshalb bei der Wahl unserer Lieferanten nur auf zuverlässige Partner mit qualitativ hochwertigen Produkten. In diesem Fall hatte die Schwank GmbH in der Vorplanung die beste Lösung präsentiert, was sich jetzt im Betrieb als richtig bestätigt hat. Die Angaben des Energieverbrauchs und der Installationszeiträume waren absolut realistisch. Damit hat Schwank mehr Sicherheit in unsere Planung gebracht und so letztlich die Grundlage für ein faires Abrechnungsmodell geschaffen, das sowohl für den Contractingnehmer als auch für uns als Contractinggeber positiv ist.“


Lösungen für verschiedene Bereiche

Schwank hat die Stärken seiner vielfältigen Produktpalette in diesem Fall voll ausnutzen können. In den rund 10 m hohen Hallen des Materialzuschnitts plante der Heizungsspezialist Hellstrahler ein. Die Installationshöhe und weitflächige Anordnungsmöglichkeit der Geräte ermöglichte hier eine gleichmäßige Wärmeverteilung mit nur wenigen, leistungsstarken Geräten. Das reduzierte zum einen den Installationsaufwand, da auf eine direkte Abgasführung verzichtet werden konnte und spart – als echter Kostenvorteil – zusätzlich Heizenergie, weil Hellstrahler mit gleichem Energieeintrag effizienter arbeiten können als Dunkelstrahler. Dagegen kamen in der durchschnittlich 7 m hohen Produktion und Fertigmontage verschiedene Dunkelstrahler zum Einsatz. Die Aufgabe war hier, in den vergleichsweise niedrigen Hallen eine gleichmäßige Vollbeheizung zu gewährleisten. Wenige Dunkelstrahler können nun aufgrund ihrer langen Bauform eine gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Arbeitsbereich sicherstellen. Insgesamt ersetzen 25 Hellstrahler und 132 Dunkelstrahler heute das alte Kesselhaus und beheizen 40 000 m² Produktions- und Lagerfläche. Die Warmwasserbereitung und Beheizung der Waschkauen, die vorher ebenfalls über die Dampfkesselanlage versorgt wurden, werden heute durch zwei effiziente Pumpenwarmwasserheizungen bedient.

Das komplette Projekt wurde von Schwank innerhalb von zwei Monaten realisiert, wobei es einige Herausforderungen zu überwinden galt. So mussten beispielsweise die Geräte im laufenden Fabrikationsbetrieb installiert werden. Eine Einschränkung der Produktion wollte und konnte man sich nicht erlauben. Wolf-Christian Heyneberg: „Im Vergleichsraum konnten wir eine Einsparung von rund 40 % verzeichnen. Das ist nach so einem kalten Winter, wie wir ihn 2008/2009 hatten, natürlich mehr als erfreulich. Und – das ist uns ebenso wichtig – unsere Mitarbeiter loben das neue Heizsystem. Es arbeitet leise und der umherwirbelnde Staub hat sich nahezu auf Null reduziert.“

Dipl.-Ing. Michael Bäter,

Mannheim

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