Barrierefreie Kaskaden-
entwässerung

Modulsystem sorgt für Sicherheit

Laubengänge, umlaufende Balkone, stufenförmig angelegte Fassaden. Das neue Seniorenzentrum im niedersächsischen Dassel zeigt „menschliches Maß“. Diese Staffelneubauten sicher zu entwässern, das war eine ideale Aufgabe für das „SitaAttika Kaskade“-System. Es vermeidet die baurechtlich umstrittene Entwässerung auf tieferliegende Flächen, baut Stolperfallen vor und leitet die Regenspende sicher bis zum Übergabepunkt. So trägt auch die Entwässerung einen Teil zur Realisierung des barrierefreien Wohnens in dem Menetatis Seniorenzentrum bei.

Den Gründern der Menetatis GmbH, die mit dem Neubau ihr drittes Seniorenzentrum errichteten, ist wichtig, einem Gebäudeensemble bei aller Modernität und Größe menschliches Maß zu geben. Die einzelnen Baukörper greifen hier gestaffelt ineinander. Über drei Geschosse verteilt stehen 65 stationäre Pflegeappartements und elf betreute Wohneinheiten zur Verfügung.

Treppen für den Regen

Staffelförmig angelegte Fassaden sind entwässerungstechnisch nicht ohne Tücke. Vom Flachdach muss das Regenwasser quasi in Treppen bis in die Grundleitung oder auf das Grundstück geführt werden. Noch bis vor kurzem bewegte sich derjenige, der eine kaskadierende Entwässerung auf niedriger liegende Dachflächen plante oder realisierte, in der normenrechtlichen Grauzone. Beim Seniorenzentrum in Dassel kam daher „SitaAttika Kaskade“ (www.sita-bauelemente.de), ein baurechtlich abgesichertes Entwässerungssystem für anspruchsvolle Bausituationen, zum Einsatz. Es leitet die Regenspende, selbst bei den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen, in geordnete Bahnen – bei der Hauptentwässerung über Fallrohre in die Kanalisation, bei der Notentwässerung über Speier frei auf schadlos überflutbare Flächen.

Regenwasseranstau vermeiden

Dies ist bei der Menetatis Seniorenresidenz, die barrierefrei konzipiert ist, besonders wichtig. Bodengleiche Balkon- und Terrassentüren ebnen hier Rollstuhlfahrern den Weg und vermeiden zugleich Stolperfallen für ältere Menschen. Diese niedrigschwellige Bauweise hat Vorteile für die Bewohner, birgt witterungstechnisch aber auch Risiken. Käme es bei einem Starkregenereignis zu einem Wasseranstau vor den Türen, ­z.­ B. weil die Regenflut die Gullys überlastet oder im Worst Case Wasser aus der überlasteten Kanalisation zurückdrückt, wäre ein Wassereinbruch in das Gebäude vorprogrammiert.

Mit dem „SitaAttika Kaskade“-System wurde hier also gleich mehrfach Sicherheit eingebaut. Das „geschlossene“ Rohrleitungssystem verhindert unkontrollierte Überflutungen von Gebäudeteilen, wie z. B. Vordächern, Terrassen oder Balkonen, die für einen derartigen Wasseranfall nicht ausgerüstet sind. Wasserschäden, z. B. durch gestautes Regenwasser, das seinen Weg durch Terrassentüren sucht, werden damit eingedämmt. Das „AttikaKaskade“-Entwässerungssystem verrichtet seine Arbeit quasi im Untergrund. Mit einer Nennweite von nur DN 70 lassen sich die waagerecht verlaufenden Edelstahlrohre des Systems problemlos in die Wärmedämmung einbetten. So verbaut sind sie vor thermischer und mechanischer Belastung geschützt. In Dassel wurde die Konstruktion in den Balkon- und Terrassenbereichen mit einem Plattenbelag versehen. In den Wartungsgängen sorgt eine Kiesschüttung für Abdeckung und saubere Optik. Auf allen waagerechten Dach- und Terrassenflächen konnten gefährliche Stolperfallen vermieden werden.

Modulsystem mit eingebauter Sicherheit

Bauherrn und Planer überzeugte auch die Modulbauweise des Systems. Mit diversen Formstücken und Fallrohren eröffnet es alle Freiheiten, dem stufenförmigen Verlauf der Fassade individuell zu folgen und dabei auch mehrere Attiken zu durchdringen. Der modulare Aufbau des Systems gibt die Gewissheit solider Verbindungen, vor allen Dingen in den Bereichen, in denen Richtungsänderungen und Anschlüsse auszuführen sind. Das Basis-Bauteil der „SitaAttika Kaskade“, ein Edelstahlrohr mit ankonfektionierter Bogenwinkelung, besteht aus einem Stück. Mit Sicherungsschellen fixierte Bögen sorgen für Solidität im Bereich der Richtungsänderungen. Thomas Dreisilker von der Sita Anwendungstechnik: „Auf Basis des eingereichten Bauplanes errechnete der ‚SitaBerechnungsservice‘ die entsprechende Materialliste. Die Gesamtkonstruktion kam dann im individuellen Set auf die Menetatis Baustelle, Dichtmanschetten für den sicheren Anschluss der Dachbahn in den Durchdringungsbereichen der Attika inklusive. Da im Vorfeld der Baumaßnahme vom Berechnungsservice des Herstellers schon die passende Bauteilkombination ermittelt wurde, gingen die Verlegearbeiten schnell voran. Die Längenfeinjustierung der Rohre erfolgte einfach durch Ablängen.“

Wie der Name „SitaAttika Kaskade“-System schon signalisiert, handelt es sich um ein modular angelegtes System, das durch die Attika entwässert. Dieses Modulsystem kann sowohl für die Haupt- als auch für die Notentwässerung ausgelegt werden.

Als Wasserschlucker auf der obersten Ebene, dem oberen Flachdach, kamen 16 „SitaDSS Indra“ Attikagullys zum Einsatz, acht Stück für die Hauptentwässerung und acht für die Notentwässerung. Mit nur 98 mm Bauteilhöhe ultraflach gebaut fügen sie sich problemlos in die Wärmedämmebene ein. Um den DIN- und EnEV-gerechten Einbau zu beschleunigen und Wärmebrücken zu vermeiden, wurden diese Gullys mit dem passenden, vorprofilierten Polyurethan-Dämmkörper im Set geliefert.

Haupt- und Notentwässerung

Mit einem Berechnungsregen r (5,5) von 285 l/s x ha und einem Jahrhundertregen r (5,100) von 553 l/s x ha weist der Standort Dassel laut KOSTRA-DWD Rasterdaten keine Besonderheiten auf. Aber angesichts immer häufiger registrierter Starkregenereignisse gilt es heute, für alle wettertechnischen Eventualitäten gerüstet zu sein. Im Bereich der Hauptentwässerung speisen die Dachgullys den Regen verrohrt in ein Fallrohrsystem ein, das in die Grundleitung/ Kanalisation führt. Die Notentwässerung wurde mit dem „SitaMore Anstauelement“ versehen. Staut sich der Regen höher, als die für dieses Objekt definierte Anstauhöhe von 5,5 cm, wird er über die Notentwässerung frei auf schadlos überflutbare Flächen geleitet.

Dass sich Fallrohre nicht verstecken müssen, das zeigt sich an der Fassade des Baukörpers. Oft parallel verlaufend, wirken die eleganten Edelstahlrohre für die Haupt- und Notentwässerung wie ein bewusst eingesetztes Gestaltungselement. Der Bauherr setzte hier auf die zeitlose Optik hochwertigen Edelstahls. Dies erwies sich auch bei der Montage als vorteilhaft. Aufgrund des geringen Gewichtes konnten die Edelstahl-Fallrohre schnell und effektiv von einer Person verlegt werden. Dabei half auch das praktische Steckmuffen-System, das den Einsatz von Hilfsmitteln erübrigt.

Fazit: System ist alles

Beim barrierefreien Bauen gelten höchste Sicherheitsanforderungen. Für die Menschen, die sich im Umfeld dieser Gebäude gefahrlos bewegen wollen. Aber auch für den Gebäudebetreiber und die am Bau Beteiligten, die das Gebäude vor eindringendem Regenwasser schützen müssen. Das „SitaAttika Kaskade“-System vereint die Interessen aller.

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